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Frauen der Bibel singen

Ein vom Förderverein Kirchenmusik Eppelheim finanziertes Benefizkonzert zugunsten des Spendenprojekts „Humanitäre Hilfe für Syrien“ der Studentenkantorei Heidelberg.

Wer am 30. Januar 2016 den Weg in die Eppelheimer Pauluskirche gefunden hatte, kam in den Genuss eines ungewöhnlich besetzten Konzerts mit ungewöhnlichem Programm. Unter dem Titel Frauen der Bibel singen hatten sich zugunsten notleidender Menschen in Syrien Choristen (der Singkreis an der Pauluskirche, Vertreter der Heidelberger Studentenkantorei, sowie der Jugendchor der Altstadtgemeinde Heidelberg) und Solisten (das Klavierduo Tatjana Kontorovich und Otmar Wiedenmann-Montgomery, der Trompeter und Flügelhornist Ralf-Werner Kopp, der Perkussionist Thorsten Gellings und die Sopranistin Janina Staub) zusammengefunden, um biblische Frauengestalten musikalisch zu Wort kommen zu lassen.







Frauen spielen in vielen Büchern des Alten und Neuen Testaments tragende Rollen, ihre Stimmen erheben sie jedoch nicht allzu häufig. Zu den Ausnahmen gehört der seit dem Mittelalter in allen denkbaren Formen vertonte Lobgesang der Maria, in seiner lateinischen Fassung bekannt als Magnificat, das bei diesem Konzert in zwei Versionen zu hören war: Heinrich Schütz schuf 1657 sein wunderbar inniges Deutsches Magnificat, SWV 426, Meine Seele erhebt den Herren, mit dem die Sängerinnen und Sänger der Studentenkantorei das Konzert eröffneten, eine moderne Fassung desselben Textes sollte dieses beschließen, dieses Mal vertont von Holger Claußen als Teil seines Jazz-Weihnachtsoratoriums Et erit iste pax.



Zwischen diesen beiden den Abend umrahmenden Versionen des Mariengesangs kamen zwei wichtige Frauen des Alten Testaments zu Wort.

Die Geschichte und das Versprechen der Ruth: „Wo du hingehst, da will ich auch hingehen“, stehen exemplarisch für das Schicksal Vertriebener, ihrer Heimat verlustig gegangener Menschen und waren dem Konzertanliegen, Mittel für von Hunger, Krieg und Unterdrückung bedrohte Menschen zu sammeln, in besonderer Weise nah. Vertont wurde die an diesem Abend dargebrachte Fassung von dem tschechischen Komponisten Petr Eben. Das Buch Ruth erzählt vom Schicksal einer jüdischen Familie, die einer Hungersnot halber aus Bethlehem in Juda ins benachbarte Moab auswandern muss. Die Söhne der Familie heiraten in der neuen Heimat. Nach beider Tod zieht es ihre Mutter Noomi zurück in ihre alte Heimat, begleitet wird sie von ihrer Schwiegertochter Ruth, die als Moabiterin in Juda mit Ressentiments und Ablehnung zu rechnen hat. Als man versucht, Ruth von ihrem Vorhaben abzubringen, gibt sie zur Antwort: „Wohin du gehst, dahin gehe auch ich, und wo du bleibst, da bleibe auch ich. Dein Volk ist mein Volk und dein Gott ist mein Gott. Wo du stirbst, da sterbe auch ich, da will ich begraben sein.“ Gestaltet wurde Petr Ebens ursprünglich für Sopran und Orgel komponierte stimmungsvolle, romantisch-melancholische Vertonung dieses Treueschwurs hingebungsvoll und mit warmer Klangfülle von der jungen Sopranistin Janina Staub und den beiden Pianisten Tatjana Kontorovich und Otmar Wiedenmann-Montgomery.



Das von den beiden Instrumentalisten anschließend gegebene lautmalerische Konzertstück zu vier Händen Wintermorgen in Istanbul von Fazil Say trug die romantische Atmosphäre weiter. Says Musik lässt vor dem inneren Auge der Zuhörer plastisch und lebensprall Bilder aus einer erwachenden Stadt zwischen Orient und Okzident aufziehen.







Als Einleitung zum dramatischen Höhepunkt des Konzerts – Franz Schuberts Kantate Mirjams Siegesgesang – improvisierte Thorsten Gellings virtuos an Pauke und Tamburin mit ungemein eindrucksvollen Effekten seinen Tanz der Mirjam. Schuberts anschließender heroisch-triumphaler Komposition für Sopran, gemischten Chor und Klavier zu vier Händen liegen Verse von Franz Grillparzer zugrunde, in denen dieser die Schwester von Moses und Aaron voller Leidenschaft ihren Gott preisen lässt, der ihr Volk trockenen Fußes durchs Rote Meer geleitet und so vor den Ägyptern gerettet hat. „Da nahm Mirjam, die Prophetin, ... eine Pauke in ihre Hand, und alle Frauen folgten ihr nach mit Pauken im Reigen. Und Mirjam sang ihnen vor: Lasst uns dem Herrn singen, denn er hat eine herrliche Tat getan; Ross und Mann hat er ins Meer gestürzt“, heißt es im 2. Buch Mose. Ganz im Geiste eines Triumphgesangs und passend zu den dramatisch-enthusiastischen Worten Grillparzers gesellten sich bei der Aufführung in der Pauluskirche Ralph-Werner Kopp und Thorsten Gellings mit strahlenden Trompeten- und satten Schlagzeugklängen zu Klavier und Chor und sorgten für ein ausgesprochen imposantes Klangerlebnis.





Den Abschluss des Abends bildeten zwei schwungvolle rhythmische Stücke für gemischten Chor, Kinderchor, Klavier, Schlagzeug und Flügelhorn, das oben bereits erwähnte Magnificat und das Benedictus aus Holger Claußens in Heidelberg uraufgeführtem Oratorium Et erit iste pax, das die Zuhörer nach aller zuvor erlebten Dramatik beschwingt und vielleicht um den einen oder anderen Ohrwurm reicher entließ.

Allen Mitwirkenden und Spendern an diesem Abend sei an dieser Stelle nochmals herzlich gedankt.

Susanne Kuhlmann-Krieg
Fotos: U.Luther
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